Wortstoffhof

Seit langem habe ich im Büro einen Wortstoffhof eingerichtet, in dem ich Wörter, Sätze, Satzfetzen sammele: falsche, unsinnige, unbrauchbare. Sie sind weder nützlich noch verständlich. Sie kommen aus schlecht übersetzten Speisekarten, unkapierbaren Gebrauchsanweisungen, surrealen Tourismusprospekten. Selbst in seriösesten Zeitungen findet man den schönsten Unsinn, mancher hingeworfene Politikersatz ist der reine Restmüll, ein anderer von rarer Schönheit – auch hier gilt es, wie auf dem Wertstoffhof das Verbrauchte von Brauchbarem zu trennen. Dieses Buch besteht aus Geschichten, Anekdoten, Glossen, Notizen, und wenn man ein Motto über alles stellen sollte, dann: Ihre ganze Kraft und Herrlichkeit offenbart die deutsche Sprache dem, der bereit ist, auf ihre Grammatik so zu pfeifen wie einst Giovanni Trappatoni: „Wir mussen nicht vergessen Zickler. Zickler ist eine Spitzen mehr Mehmet e mehr Basler. Ist klar diese Wörter, ist möglich verstehen, was hab ich gesagt? Danke.“ Es geht hier also um den Spaß am Valschen, die Poesie des Irrtuhms, die Freude an der Fehlleistunck, um einen Reichtum, der erst durch menschliche Schwäche entsteht. Von welch‘ anderem Reichtum könnte man dies behaupten?
Sie möchten nun wissen, wo sie den Aufstellungsort des Seins finden? In welchem Restaurant sie „Ich schneide ein Gewinde zum grünen Pfeffer“ essen können? Warum der Plural von Tengelmann Tengelsmann heißen sollte? Warum Franz Müntefering literarisch zwischen Trakl und Schuricke einzuordnen ist?
Besuchen Sie mich auf dem Wortstoffhof. Es ist durchgehend geöffnet.