Von Christian Zaschke habe ich schon immer alles gelesen, was ich kriegen konnte, früher seine Sportreportagen, später seine Geschichten und Kolumnen aus London, heute das, was er aus New York berichtet. Zaschke hat einen ganz besonderen Ton, heiter, entspannt, witzig, melancholisch, immer eindeutig, wenn es um Donald Trump und die Knallchargen in seinem Gefolge geht, und sehr menschenfreundlich, wenn es um all die anderen Leute in den USA geht, die seine Freundlichkeit verdienen. 

In Manhattan wohnt er im 17. Stock eines ehemaligen Schwesternwohnheims im Stadtteil Hell’s Kitchen, wo ich auch noch nie war. (Aber das gilt für die meisten Orte der Welt.) Aus seinem Apartment dort hat er lange in einer wöchentlichen Kolumne für eine gewisse Süddeutsche Zeitung berichtet, die erstens aus unerklärlichen Gründen in diesem Blatt ziemlich kunstvoll versteckt war und zweitens aus noch viel unerklärlicheren Gründen irgendwann eingestellt wurde. 

Aber nun erscheinen die Texte gesammelt im Buch. Und wer noch nie etwas von Zaschkes Friseur Robert gehört hat, der mit zitternden Händen jeden Haarschnitt zu ruinieren versteht, wer nichts von der exzellenten Schrottbar namens Rudy’s weiß, und wer keinen Schimmer hat, wie der Hausmeister Giovanni Colon tickt, dessen Name sich, je nachdem, wie man gerade auf ihn zu sprechen ist, mit Johannes Doppelpunkt oder Johannes Dickdarm übersetzen lässt, wer also dermaßen kenntnislos ist, dass er all diese höchst unterhaltsamen Geschichten aus Zaschkes Mikrokosmos nicht kennt – dem gratuliere ich herzlich. 

Er hat ein wunderbares Lese-Erlebnis vor sich. 

Allen anderen gratuliere ich auch. Sie können diese herrlichen Miniaturen nun noch einmal lesen, nicht Woche für Woche, sondern wann immer sie möchten. 

Und das wird, da bin ich sicher, sehr oft sein.  

Christian Zaschke, Hell’s Kitchen, Stories aus Manhattan. Ullstein. 15,99 Euro