SCHTROUMPF



Weil ich oft in Italien bin, verschicke ich bisweilen auch SMS-Nachrichten in der Landessprache. Aus anderen Gründen tue ich es manchmal auf Englisch oder Französisch. Weil ich diese Mitteilungen gerne diktiere, ist es nützlich, in diesem Modus das Handy vorher auf die entsprechende Sprache umzustellen. Es kann dann aber geschehen, dass ich vor dem nächsten Diktat vergesse, das wieder zu verändern. So diktiere ich dann dem Handy, das auf Italienisch eingestellt ist, etwas Deutsches. Oder dem Apparat, der Italienisches erwartet, deutsche Sätze. Für Englisch und Französisch gilt dasselbe.

Ein kleines Beispiel.
Ich frage jemanden: Was hältst du von diesem Buch?
Ist mein Telefon auf Französisch eingestellt, kommt dies an: Ah c’est Zeune Isenbourg. Im Italienischen lese ich: Ma se su fondi Is. Im Englischen: I said stuff on this book.
Hier gibt allein das Englische halbwegs einen Sinn, man könnte übersetzen: Ich habe etwas zu diesem Buch gesagt. Das Französische wäre noch okay, wenn man vor etwas stünde, das Zeune Isenbourg heißt, ein Ort vielleicht. Das Italienische ist sinnlos.
Oft schicke ich in unserem Dorf meinem Nachbar Mitteilungen, in denen ich ihn um Hilfe im Garten bitte. Ich schreibe also Quando potresti venire domani, wann könntest du morgen kommen? Läuft das Handy noch auf Deutsch, lese ich: Quando put. Bristolniere, Domani. Das freut mich sehr, denn ein Wort wie Bristolniere würde man nie im Leben erfinden können, was doch schade wäre. Eine Bristolniere, was könnte das sein? Eine Speise?
Nein, nein! Gebe ich den Begriff bei Google ein, kommt tatsächlich ein Hinweis der Künstlichen Intelligenz, der so lautet:
„Bristol Niere“ bezieht sich auf das charakteristische nierenförmige Kühlergrill-Design von Bristol-Fahrzeugen, die von BMW übernommen wurden, sowie auf den englischen Arzt Richard Bright (1789–1858), einen Pionier der Nephrologie, der in Bristol geboren wurde. Der Begriff kann sich auch auf die englische Stadt Bristol beziehen, die mit dem Organ-Skandal bei der Vergabe einer Niere im Zusammenhang mit einer zentralen Vermittlungsstelle für Organspenden in Bristol verbunden ist.
Wahnsinn! Mir scheint das erheblicher Quatsch zu sein, was den Arzt und den Skandal angeht. Aber das Auto gab es ja, den Bristol 400, ein Auto, mit dem der britische Flugzeughersteller Bristol Aeroplane Company nach dem Zweiten Weltkrieg in die Automobilproduktion einstieg. (Sehen Sie bitte das Foto oben.) Aus Gründen, die Historiker erklären könnten, übernahm man von BMW einfach den nierenförmigen Kühlergrill, der – wenn ich es recht verstehe – dennoch nie Bristolniere hieß, aber doch so genannt werden könnte.
Ist es nicht wunderbar, wohin solche Irrtümer einen führen können? Ich habe ja ein paar Bücher zu dem Thema geschrieben, zuletzt Im Bann des Eichelhechts und andere Geschichten aus SprachlandAber das hier ist doch noch mal was ganz Neues!
Ich schrieb dann meinem Nachbarn: Der Sturm hat einen Aprikosenbaum umgelegt. Kommst du vorbei, damit wir ihn klein machen?
Hier die italienische Version: The Schmaus Bomb Hägele come stufo by da mettere in Klein Maan
Die englische: There’s too much an app prelusion bomb leak pumped comes to fall by the incline Marc surgeon
Und die französische:  T’es à Thomas Hein. Aprèskugel. Point. Com to For by That, Thing Kleemann.
Schmaus Bomb Hägele, man glaubt es nicht. Und Aprèskugel.
Ich rufe dich morgen mal an, schrieb ich dem Nachbarn, war aber noch im Französisch-Modus und las auf dem Display einen Begriff, den ich gerne in meinen täglichen Wortschatz übernehmen würde:
Schtroumpf.
­GROSSE FREUDE



Kaum waren Ende September Wie fühlst du dich? als Hardcover und Über die Heiterkeit als Taschenbuch erschienen, standen sie beide auf den entsprechenden Bestsellerlisten. Die Gefühle auf Platz 3, die Heiterkeit auf 1. Eine Woche später: Die Gefühle auf Platz 2, die Heiterkeit auf 3. So kann es weitergehen, dachte ich. Und es ging so weiter, im Moment sind es die Plätze 5 und 2.
Was soll ich noch sagen?!
Schtroumpf!!!! 
­DIE SZ UND ICH



Anfang Oktober wurde die Süddeutsche Zeitung 80 Jahre alt und feierte das mit einer besonderen Ausgabe, deren Titel von Dirk Schmidt gestaltet wurde, der seit Jahrzehnten auch meine Kolumne im Magazin der SZ illustriert. Sein Werk war ein richtiges Wimmelbild, ich mag das ja sehr. Und wenn man ganz genau hinschaute, dann konnte man mittendrin auch jene Figur entdecken, die Dirk Woche für Woche auf meiner Kolumnenseite erscheinen lässt. 

­DENKMÄLER DES SCHWACHSINNS


Seit fast 35 Jahren wohne ich in meinem Viertel in München und ungefähr genauso lange werde ich an einem Haus, an dem ich jeden zweiten Tag vorbeikomme, aufgefordert, die Aufwertung abzufucken. Es hört einfach nicht auf. Was mag aus dem, der das da einst hinschmierte, geworden sein. Ist er in Rente? Wurde er Maler? Professor? Restauriert er Häuser? Wurde er Archäologe?

Ich weiß es nicht. Aber was ich auch nie verstehen werde, was in den Leuten vorgeht, die solche Sprüche an Hauswände sprühen.


In Berlin sah ich Kampf, Bewusstsein, Organisation und hätte am liebsten Sag ich auch immer daneben geschrieben. Und in München, gleich beim wunderschönen Rosengarten an der Isar, wird immer noch der Lockdown bekämpft. 

Ein Denkmal des Schwachsinns. 
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IM HÖSCHEN



Das Thema Körperteile als deutsche Straßennamen ist ja längst durch, obwohl ich noch viel Post dazu bekommen habe, aber die Adresse Im Höschen in 25469 Halstenbek möchte ich dennoch niemanden vorenthalten. Vermutlich sagt man gar nicht Hös-chen, sondern Höschen mit sch, und es gibt in Lichtenau im Kreis Paderborn ja auch die Johannes-Höschen-Straße. Aber wer das war? Keine Ahnung. Die Adresse ist jedenfalls super, und ich danke Leser H. für das Bild.­

LAUFENTEN

Mein alter Freund Rolf schickte mir dieses Bild, und ich dachte: Ja, Laufenten, Entlaufenten, da muss man halt aufpassen, nicht wahr?

 
­DIE LESUNGEN

Nur noch ein paar Tage, dann habe ich meine erste Lesung dieses Winterhalbjahres: bei der Erfurter Herbstlese, ein Termin, auf den ich mich sehr freue, denn in Erfurt war ich schon oft und bin es immer wieder gerne. 27 Lesungen werden es sein bis Ende Februar, früher waren es viel mehr, aber ich habe die Zahl reduziert, um mehr Zeit fürs Schreiben zu haben. So kommt es mir im Moment genau richtig vor, zumal ich mir mit dem nächsten Buch etwas Zeit lassen will. In den vergangenen Jahren gab es alle zwölf Monate ein neues, auch da wird es ein klein wenig ruhiger werden. Vielleicht.



Noch mehr und detaillierte Informationen auf meiner Internetseite.

2025
01.11. Erfurt, Theater02.11. Stuttgart, Theaterhaus
03.11. Bochum, Schauspielhaus (Restkarten)
04.11. Oldenburg, Kulturetage (ausverkauft)
15.11. Gröbenzell, Stockwerk (ausverkauft)
16.11. Bielefeld, Stadttheater (Restkarten)
21.11. Halle, Franckesche Stiftungen (in der Reihe Persönlichkeiten im Gespräch)
22.11. Leipzig, Kupfersaal (Restkarten)
23.11. Dresden, Schauspielhaus (Restkarten)27.11. München, Benefizabend Zeltschule e.V.

07.12. Berlin, Schlosspark Theater
08.12. Berlin, Schlosspark Theater
28.12. München, Volkstheater 16 Uhr
28.12. München, Volkstheater 20 Uhr (Restkarten)29.12. Regensburg, Theater am Bismarckplatz

2026
02.01. Augsburg, Parktheater
03.01. München, Leo17
05.01. Köln, Gloria
06.01. Köln, Gloria
07.01. Düsseldorf, Schauspielhaus
08.01. Darmstadt, Staatstheater
16.01. Fürth, Stadttheater
30.01. Holzkirchen, Kultur im Oberbräu

03.02. Mainz, Frankfurter Hof
04.02. Hamburg, Schauspielhaus
05.02. Hannover, Pavillon
23.02. Heilbronn, Theater
26.02. Bayreuth, Zentrum 
­MEIN BUCH DES MONATS OKTOBER



Klaus Brinkbäumer ist ein exzellenter Journalist und Reporter, was er schrieb, habe ich immer gerne gelesen. 25 Jahre lang arbeitete er für den Spiegel, von 2015 bis 2018 war er dessen Chefredakteur, später drei Jahre lang Programmdirektor des MDR in Leipzig. Was er heute so alles macht, kann ich nicht alles aufzählen, es ist jedenfalls viel, unter anderem gehört er zu den Moderatoren der Talkshow Riverboat.
Die Geschichten, die er in diesem Buch erzählt, sind aber seine eigenen, die seines Lebens, die der Abschiede in diesem Leben, von Vater und Mutter vor allem, auch von einem Leben voller menschlicher Kontakte während der Pandemie, von seinem beruflichen Zuhause im Spiegel, von New York, wo er eine ganze Weile lebte. Es geht um Trauer und Schmerz, um Rückblicke, aber auch um Aufbrüche, um seinen kleinen Sohn, um den Blick nach vorne.Anders gesagt: Es geht um das ganze Leben, das aus Freude und Schmerz besteht und aus allem, was dazwischen ist, um die Grundthemen also, und um die Zeit in der Mitte, wo so vieles zusammenkommt und einen durchrüttelt.
Ich wollte das Buch eigentlich gar nicht lesen, es wurde mir zugeschickt. Aber da ich Klaus schon lange kenne (obwohl wir uns nie sehen), habe ich es doch in die Hand genommen und dann nicht mehr weggelegt. Denn es ist einfach ein sehr schönes Buch, uneitel, klar, reflektiert, durchfühlt, ehrlich, anrührend und brillant zum Beispiel dort, wo er die Ehe seiner Eltern beschreibt – an dem Punkt, wo alles zu Ende geht.
Wenn ich in meinen sieben Jahre der Abschiede über das Paar nachdenke, das meine Eltern waren, sehe ich zwei Lachende, sehe ich das Leuchten des gemeinsamen Aufbruchs auf den frühen Schwarzweißfotos. Und ich sehe, zu früh, zwei Bedürftige, die einander nicht geben, was sie erträumen. Da ist kein Weg mehr von ihr zu ihm oder zurück, und Lebenszeit verstreicht. Dazu ein Mangel an Gelegenheiten, auszubrechen aus all den Pflichten, auch ein Mangel an Wissen: wie das Leben sein könnte. Manchmal kommt ein Leben, auch das einer ganzen Familie und gewiss das Leben eines Paares, nur deshalb so, wie es kommt, weil die Beteiligten keine andere Art zu leben kennen.
Also bitte, das muss man doch gelesen haben!

Klaus Brinkbäumer, Zeit der Abschiede. Sieben Jahre des Loslassens und Wiederfindens.. C.H.Beck. 24 Euro.
­FREMDENSCHLACHTUNG

Leserin F. schickte mir dieses Bild aus Sulzbach a.d. Murr. Das Gasthaus sei inzwischen geschlossen, schreibt sie – vielleicht aus Mangel an Gästen? Mich hat das an Roald Dahls Geschichte The Landlady (auf deutsch: Die Wirtin) erinnert, in der die Betreiberin einer Pension ihre Gäste gerne umbringt und dann konserviert. Was geschah hier?

 
­WAS SONST NOCH ZU SAGEN WÄREFür die Korrektur des Textes danke ich herzlich Ruth Keen. Und großen Dank, wie immer, an Michael Ruhe für das Aufsetzen und Vorbereiten aller für den Versand des Briefs aus dem Büro notwendigen Dinge. Ihn findet man unter www.ruhe-bitte.com