| WASSERFASTEN Im Januar hatte ich zwei Lesungen in Köln, und da sich dort auch der Dumont-Verlag befindet, in dem nun schon seit einigen Jahren meine Bücher erscheinen, besuchte ich ihn natürlich wie jedes Jahr. Normalerweise treffen Sabine Cramer, die Verlegerin, und ich uns dann auch zum Mittagessen, diesmal aber ging das nicht. Denn Sabine (und mit ihr der halbe Verlag) fastete, so dass es nicht einmal wie sonst den hervorragenden selbstgebackenen Zitronenkuchen gab. Man kann ja nicht von jemandem, der seit einer Woche nichts, ABER AUCH GAR NICHTS gegessen hat, erwarten, dass er einen Kuchen backt, den man dann vor seinen Augen verzehrt. ![]() So saßen wir uns gegenüber, Sabine bei einem Wasser und mit leichten Kreislaufproblemen, ich bei einem Kaffee und nach einer hervorragenden, wenn auch etwas einsamen Mahlzeit im Kölner Restaurant Hase. Ich lernte bei dieser Gelegenheit, was verlegerische Hingabe bedeutet. Denn Frau Cramer fastete ja nicht einfach so, sie tat es, weil bei Dumont dieser Tage ein Buch des Dresdner Medizin-Professors Peter Schwarz erscheint, Leiter der Abteilung Prävention am Dresdner Universitätsklinikum und Präsident des Internationalen Diabetes-Verbandes. Das Werk heißt schlicht Wasserfasten und predigt mit guten Gründen, der Gesundheit zuliebe vierzehn Tage lang einmal im Jahr nichts zu essen. Und wenn Professor Schwarz nichts sagt, dann meint er: nichts, ABER AUCH GAR NICHTS. Man trinkt nur Wasser und Kräutertee, that’s all, my friends. Zwei Wochen lang. So befreit man Leber und Bauchspeicheldrüse von krankmachendem Fett und bekämpft chronische Entzündungsprozesse. Sagt Professor Schwarz. Sabine sagt es auch. Angeblich hat man nach kurzer Zeit gar keinen Hunger mehr, denkt aber dauernd ans Essen. Wir redeten fast die ganze Zeit über dieses Buch. Am Abend sprach ich mit dem Mann, der mich bei den Lesungen im Gloria betreut: Er hatte schon mal Fastenwandern gemacht und sagte, er hätte danach Bäume ausreißen können. Tags darauf interviewte mich Johannes Schröer, der stellvertretende Chefredakteur des Domradios, und wir sprachen über die segensreichen und ja auch gesundheitlich sinnvollen Fastenzeiten der katholischen Kirche.Am Ende war ich fasziniert von der Sache, geflasht, wie man heute sagt, angefixt und so weiter. Werde ich nun auch fasten? Blöderweise habe ich in der Fastenzeit immer Lesungen, was soll ich machen? Mit knurrendem Magen, einer Ohnmacht nahe, auf der Bühne sitzen? Ich lese jetzt erst mal das Buch, dann essen, nein: dann sehen wir weiter. |
BUCH UND HUND![]() Leserin D. schickte mir das Foto meines Buches Wie fühlst du dich?, nachdem auch ihr Hund es in einem unbeobachteten Moment gelesen hatte. Es hat ihm wohl gefallen. Es folgte ein Foto dieses Lesers, man könne ihm die Tat, schrieb Frau D., nicht übelnehmen, zumal es in einem verschlossenen Schrank einen Vorrat weiterer meiner Bücher gebe, zum Verschenken. Ich stimme in allen Punkten zu. ![]() |
HERZEN IM SCHNEE![]() Die Schneefälle im Januar haben wunderbare Dinge ermöglicht, hier sehen wir parkende Herzen. Dank an Leserin O., die mir das Bild eines verschneiten Sonntags schickte. Herr H. meldete sich mit einem Bild von den Problemen des Winterdienstes in diesen Zeiten. ![]() |
VON BÜCHERN HART BEDRÄNGT![]() In meiner zweiten Kolumne in diesem Jahr ging es um das Aufräumen meines Büros, ich erwähnte das ja auch hier neulich. Aufräumen bedeutet Befreiung, aber auch Scheitern, insbesondere Leserinnen und Leser wissen das, die Bücher beiseite schaffen wollten, denen das dann aber doch nicht gelang, weil sie sich nämlich in diesen Werken festlasen und es nicht übers Herz brachten, sich von ihnen zu trennen. Leserin H., die mir seit den Zeiten des Kleinen Erziehungsberaters immer wieder schreibt, hat zu dem Thema ein Gedicht des immer noch amüsanten, so lebensnahen wie lebensklugen Eugen Roth entdeckt, das ich niemandem vorenthalten möchte. Man sieht es auf dem Bild. |
DIE LESUNGEN![]() Im Brief vom Dezember habe ich hier die kleine Norddeutschland-Lesereise angekündigt, die wir im Herbst mit Hilfe des Energieversorgers EWE organisieren. Dabei sind zwei Fehler passiert. Erstens: In der Liste der Termine wurde einmal Cuxhaven mit f geschrieben, Cuxhafen also, worauf mich ungefähr 2758 Leserinnen und Leser aufmerksam gemacht haben. Danke dafür, ich weiß das zu schätzen! Der Schuldige ist ermittelt. Ruth Keen, die diesen Brief immer korrigiert, war es NICHT, eher schon der Weihnachtsmann mit seiner ewigen Hektik. Es wurden die hier im Büro üblichen drakonischen Strafen verhängt. Ich betone weiterhin, dass ich schon mehrmals in Cuxhaven war, dass ich schon als Kind wusste, wie man es schreibt, dass ich es immer noch weiß und für immer wissen werde. Gleiches gilt auch für Bremer- und Wilhelmshaven, nicht jedoch für Friedrichs- und Ludwigshafen, wo ich allerdings auch keine Lesungen have, äh, hafe, also, habe. Zweitens. Ich hatte geschrieben, die Lesereise führe „in einige kleinere Städte Norddeutschlands“, und dann aufgezählt: Oldenburg, Papenburg, Cloppenburg, Cuxburg, nein, nein, Hilfe, bitte: CUXHAVEN. Das war natürlich unverzeihlich, denn, wie mir auch sogleich leserseits geschrieben wurde: Oldenburg ist die drittgrößte Stadt Niedersachsens (nach Hannover und, bitteschön, Braunschweig), hat fast 177.000 Einwohner, von „kleinere“ keine Rede. Ich füge hinzu: In Papenburg leben gut 37.000 Menschen, in Cloppenburg fast 37.000, in Cuxhaven sogar beinahe 50.000. Das ist doch auch nicht klein, Mann! Was ist überhaupt klein, was ist groß? Sagen wir so: Im Herbst führt mich eine Lesereise in einige außerordentlich bedeutende Städte Norddeutschlands. Karten dafür gibt es schon jetzt hier. Die Termine in der Liste sind längst nicht alle, die es in diesem Jahr geben wird, wir führen hier nur solche auf, die bereits im Vorverkauf sind. Weil aber dauernd danach gefragt wird: Im November wird es endlich mal wieder eine Lesung in WIEN geben und im Januar 2027 eine in FREIBURG. 2026 03.02. Mainz, Frankfurter Hof (ausverkauft) 04.02. Hamburg, Schauspielhaus 05.02. Hannover, Pavillon 20.02. München, Leo17 23.02. Heilbronn, Theater 26.02. Bayreuth, Zentrum 09.12. Cuxhaven, EWE-Forum 10.12. Oldenburg, EWE-Forum Alte Feiwa 11.12. Papenburg, Kleines Theater 12.12. Cloppenburg, Kulturbahnhof 27.12. München, Volkstheater 2027 11.02. Köln, Gloria 12.02. Köln, Gloria Noch mehr und detaillierte Informationen auf meiner Internetseite. |
MEIN BUCH DES MONATS JANUAR![]() In den Münchner Kammerspielen läuft seit fast einem Jahr eine hochgelobte Inszenierung nach Klaus Manns berühmtem Roman Mephisto, gerade erst wurde sie zum Berliner Theatertreffen 2026 eingeladen, eine große Auszeichnung. Als Thomas Schmauser, der den Hendrik Höfgen spielt, im vergangenen Jahr von Theater heute zum Schauspieler des Jahresgekürt wurde, habe ich mir Karten besorgt und bin ins Theater gegangen. Was ich sah, beschäftigt mich bis heute. Es geht in Manns Buch und auch in den Kammerspielen ja um die Unfreiheit der Kunst in einer Diktatur, um die Legitimierung dieser Diktatur durch die Kunst und um die Frage, ob man sich als Künstler überhaupt anpassen darf und, falls ja, wie weit man in dieser Anpassung gehen kann, dies alles verkörpert in der Figur des Schauspielers und Intendanten Hendrik Höfgen alias Gustaf Gründgens. Schmauser spielt den Mann anders, als ich ihn aus dem Buch in Erinnerung hatte, auch anders als Klaus Maria Brandauer in István Szabós oscarprämiertem Mephisto, weniger glatt, sondern zerrissener, kaputter. Übrigens sind an der Inszenierung der Regisseurin Jette Steckel nicht nur diese selbst und eben Schmauser zu loben, sondern auch die vielen anderen Schauspielerinnen und Schauspieler, Erwin Aljukić zum Beispiel, Johanna Eiworth, Edmund Telgenkämper. Großes Schauspielertheater! Weil mich das so beschäftigt hat, habe ich ein paar Tage nach dem Theater noch diesen großartigen Film wieder einmal angesehen und mir in Köln in Klaus Bittners wunderbarer Buchhandlung Manns Buch besorgt, weil ich es gleich haben wollte und nicht erst bei meiner Rückkehr. Daheim steht es ja im Regal, wenngleich ich jetzt nicht sagen könnte, wo. Und das lese ich jetzt, erstens weil man es im Leben immer wieder mal lesen sollte, es ist ein Stück deutscher Literaturgeschichte. Zweitens, weil es einfach ein sehr guter Roman ist, eine große Abhandlung über das Böse, mit dem wir es auch heute wieder zu tun haben, und über die Faszination dieses Bösen für Mitläufer und Opportunisten, die sich immer finden und auch heute wieder finden würden/werden. Klaus Mann, Mephisto. Roman einer Karriere. rororo, 16 Euro. |
| GOTT IM THEATER Im letzten Brief musste ich vom plötzlichen Tod Hans Richters berichten, der am Frankfurter Stalburg-Theater den Gott in meinem Stück Die Tage, die ich mit Gott verbrachtegespielt hatte. Nun ist am 11. Februar Premiere der Wiederaufnahme des Stücks, jetzt mit Christoph Maasch und Sven Marko Schmidt. Es folgen viele weitere Vorstellungen, Karten hier. |
| JUCHHÖH! Mit den Orts- und Straßennamen sind wir ja wirklich durch, aber dieser hier, den mit Herr D. aus Halle schickte, muss als Abschiedsgruß am Ende dieses Briefes einfach noch sein. ![]() |
| WAS SONST NOCH ZU SAGEN WÄRE Für die Korrektur des Textes danke ich herzlich Ruth Keen. Und großen Dank, wie immer, an Michael Ruhe für das Aufsetzen und Vorbereiten aller für den Versand des Briefs aus dem Büronotwendigen Dinge. Ihn findet man unter https://ruhe-bitte.com/ |








