UNTER MÖWEN![]() Neulich habe auf Facebook unter anderem dieses Foto von einer Möwe vor dem Vesuv gezeigt und gleich schickte mir Leser H. das Bild einer Möwe aus Portugal, so wunderbar ratlos vor den Toiletten. Ich mochte Möwen eigentlich gar nicht so sehr, aber jetzt doch. ![]() WAS IST EINE GLÜCKLICHE KINDHEIT? ![]() Leser S. schickte mir aus Münster dieses Bild und schrieb dazu: Eine glückliche Kindheit kann man heute im Internet bestellen. Ich hoffe, dass es sich beim Inhalt wenigstens um eine Art Konzentrat handelt, das für die bevorstehenden Jahre reicht. Mit TriTop konnte man früher unter Zugabe von Wasser auch eine große Menge eines Getränks herstellen. Wieviel Platz nimmt Happy im Karton ein? Kann man auch Childhood Basic bestellen? Muss man die Kindheit im Karton verbringen? Ist ein Fahrrad schon ein Garant für eine glückliche Kindheit? Ich könnte mir vorstellen, aus dem Karton einen Guckkasten mit Ausblick auf Kindheitsfotos, Kuscheltiere, Schwimmflügelchen und andere Utensilien des kindlichen Gebrauchs herzustellen. Am Ende stellt sich die Frage: Was ist eine glückliche Kindheit? Wenn ich alles richtig verstanden habe, befinden sich in solchen Kartons Kinderfahrräder, nicht wahr? Und mir fällt dazu ein Text ein, den ich vor mehr als 35 Jahren für meinen Kleinen Erziehungsberater schrieb, Loslassen gefälligst! heißt er. Das Dreirad heißt Dreirad, weil man eines geschenkt bekommt, wenn man drei Jahre alt ist, hat Anne gesagt. Aber Max ist ja nun schon fünf, und er hat seit einem Jahr ein richtiges Fahrrad. Bloß richtig benutzt hatte er es bis vor kurzem noch nie, weil der Erziehungsberater die Stützräder abgeschraubt hatte, und ohne Stützräder wollte Max nicht Rad fahren. Er solle üben, hat der Erziehungsberater gesagt, üben, üben, üben. So sei es nun mal: Eines Tages fielen die Stützen weg, und man müsse allein fahren, das sei das Leben. Dazu war der Max zu faul. Talentierter Junge in allem. Aber ein bisschen faul. Wer weiß, woher er das hat. Und der Erziehungsberater? Hatte keine Lust, die Stützräder wieder dranzuschrauben. So stand das Fahrrad herum. Dann habe ich eines Sonntags mit Anne eine Fahrradtour zum Aumeister gemacht, und abends haben wir dem Max die ganze Zeit vom Biergarten vorgeschwärmt und wie herrlich es am Aumeister ist. Dass man da viel Eis geschenkt bekommt! Auf einem wunderschönen Spielplatz spielen darf! Unterwegs Schafe sieht! Aber man könne leider praktisch nur mit dem Radl hinfahren. Der Max hat still zugehört, und am nächsten Tag hat er gefragt, ob jemand mit ihm Radfahren üben könne. Wenn’s unbedingt sein muss, habe ich geseufzt. Vielleicht morgen, hat Antje sehr gedehnt gesagt. „Jetzt sofort!“, hat der Max gerufen. Dann sind wir abwechselnd um den Block mit dem Max und seinem Fahrrad, immer in tiefgebückter Haltung und die rechte Hand am Sattel, damit er nicht umkippt, der Max. Das strengt an, aber immer, wenn wir eine Pause machen wollten, hat er gebrüllt: „Halt mich fest!“ (Ist halt ein autoritäres Kind.) Dann sausten wir wieder los, schwitzend ich und er in bester Laune. Ungefähr beim dritten Versuch hat er das Freihändigfahren üben wollen, beim vierten den Plastikgriff vom Lenker gedreht und behauptet, das sei ein Funkgerät („Hier komme ich!“, hat er hineingebrüllt), beim fünften das Lenken vergessen, weil auf dem Fußballplatz, an dem wir vorbeikamen, der Andreas stand, „weißt du noch, Papa, der neulich mein Piratenschiff geschenkt haben wollte“, und beim sechsten hat er geschrien: „Jetzt rase ich in den Zaun da, aber voll, hey.“ Und jedes Mal hat er auf der Nase gelegen, aber voll, hey. Weh getan hat ihm das nicht, so toll hat er das Radfahren plötzlich gefunden, und abends, da hat er es wirklich gekonnt. Als ich ihn aus lauter Gewohnheit immer noch am Sattel festhalten wollte, hat er gerufen: „Loslassen, gefälligst!“ Schon war er verschwunden, um die Ecke beim Mülltonnenhäuschen. Wie gesagt: Eines Tages fallen die Stützen weg, und man fährt allein, und sie bleiben nutzlos zurück, die Stützen. So ist das Leben. Nächstes Wochenende will der Max mit der Anne zum Aumeister fahren. Wenn ich schön artig bin, nimmt er mich ja vielleicht mit und kauft mir eine Mass. Heute ist der Max erwachsen und bringt gerade seiner eigenen Tochter, meiner Enkelin, das Radfahren bei. Glücklich ist sie dabei, das weiß ich. Ist sie sowieso. So ist das Leben, im besten Fall. ZUR SCHÖNEN GELEGENHEIT ![]() Ich sollte das hier nicht schreiben, ich müsste an meinem Buch sitzen, aber ich kann einfach nicht anders. Man soll nämlich nichts umkommen lassen und weil mir einige Leserinnen und Leser nicht nur Straßennamen zum Thema Körper schickten, sondern auch sonst, will ich die kurz aufzählen. Ich kann mich über so was einfach sehr amüsieren, weil ich von einfachem Gemüt bin. Vielleicht geht es anderen ebenso. Im Kölner Stadtteil Altstadt-Nord gibt es die Straße Unter Fettenhennen, angeblich, weil da im 13. Jahrhundert mal eine Brothalle war und es dann 1478 in den Unterlagen einen Hausnamen Zo der vetter hennen gab. Jedenfalls hätten die herumlaufenden Hühner von den Krümeln gelebt und das offenbar gut. Komisch, dass es dann Unter Fettenhennen genannt wurde und nicht Bei den Fettenhennen und dass überhaupt Fettenhennen ein Wort ist und es nicht Unter fetten Hennen heißt. Neben Fettenhennen wäre noch besser, einfach mehr e drin. Oder Neben den Fettenhennen. Sieben e! Neben den elf Fettenhennen. Acht! Was mache ich hier für einen Quatsch! Ich muss ein Buch schreiben! In der taz stand 1995 mal, ein Kölner Bürger habe den Beschwerdeausschuss des Stadtrates angerufen, weil der Straßenname ebenso frauenfeindlich sei wie der Name Im Ferkulum, warum auch immer. War aber alles erfolglos. Ich zitiere die taz: Auch das „Ferkulum“ ist historisch gewachsen. Das hat jedoch mit Ferkeln, die zu Schweinen heranwachsen, nichts zu tun. „Im Ferkulum“ geht nämlich auf das lateinische „fericulum“ zurück, ein Tragegestell, auf dem die Bauern, Gärtner und Winzer ihren „Zehnten“ zum Stift St. Severin brachten. „Kein Änderungsbedarf“, war sich der Ausschuß nach der Kölner Geschichtsstunde einig. Die Vertreterin von Bündnis 90/ Die Grünen hielt denn auch ihren Änderungsvorschlag zurück: Sie wollte die Straße „Unter Fettenhennen“ umbenennen in: „Unter fetten Hähnen“. Und in der WAZ stand vor drei Jahren: Anfang des 16. Jahrhunderts kaufte Franz Birckmann das Haus und gründete dort seine Druckerei und Buchhandlung. „Fette Hennen“ heißen im Druckerjargon die fetten Anfangsbuchstaben. Wusste ich gar nicht, obwohl ich ja früher viel mit Druckern zu tun hatte. Nebenbei gesagt, gibt es in 27777 Ganderkesee-Grüppenbühren (das ist schlimmer als Villingen-Schwenningen) eine Sackgasse namens Fettenhenne, da scheint aber echt nichts los zu sein. Moment: Christian Dürr, der neue FDP-Vorsitzende, ist da aufgewachsen, nicht in Fettenhenne jetzt, aber in Ganderkesee, das ist bei Oldenburg. Außerdem finde ich noch eine kleine Hotelkette namens Fettehenne und einen Hof in der Nähe von Bremen, der heißt auch so, es nimmt kein Ende, fette Hennen überall. Ferkulum ist – auch das nur nebenbei – ein Gyros-Imbiss in Köln. Der ist aber in der Zülpicher Straße, eine gute halbe Stunde zu Fuß von Im Ferkulum entfernt. Sieht aber gut aus, die Website. „Unser schmackhafte Gyros Pita wird durch unsere Innovation und vor allem durch die Leidenschaft und der Erschließung von Potenzialen unserer Angestellten ermöglicht“, schreiben sie da. Das ist ein Sprache, wie man sie sonst nur von Maklern kennt. Mein Buch! Mann! Mein Gott, und jetzt lande ich noch auf der Website des Gartenmarktes Dehner und entdecke, dass die Fetthenne auch eine Pflanze ist. Es gibt die Gold-Fetthenne „Weihenstephaner Gold“, die Fetthenne „Capo Blanco“, die Große Fetthenne „Herbstfreude“, das Nickende Fettblatt „Angelina“, die Teppich-Fetthenne „Fuldaglut“, die Sibirische Fetthenne „Lemon Ball“, die Fetthenne „Chocolate Ball“, die Felsen-Fetthenne und die Fetthenne „Bertram Anderson“. Wow, da sind aber auch ein paar Potenziale eingeflossen, was? ![]() Ich lese, die Fetthenne sei ein „bodendeckender Traum für jeden Garten“. Wo gibt’s denn so was, bodendeckende Träume! Lassen Sie sich von der Fetthenne verzaubern, dem robusten Schmuckstück für Ihren Garten. Mit ihrer unkomplizierten Art und der Fähigkeit, Farbe in die kleinste Ecke zu bringen, ist die Fetthenne ein wahrer Gartenheld. Ob als Bodendecker oder winterharte Staude, sie bereichert Ihr grünes Paradies durchgängig vom Frühjahr bis weit in den Herbst. Und wer war Bertram Anderson? Im Internet finde ich: Bertram Anderson (1505 – 14 March 1571) was an English merchant, landowner and politician who represented Newcastle-upon-Tyne and served once as Sheriff, three times as Mayor and was elected five times as MP in the House of Commons between 1553 and 1563 and was also Governor of the Merchant Adventurers of Newcastle-upon-Tyne. Ach, wenn ich es doch mal so weit brächte, dass eine Fetthenne nach mir benannt würde! Fetthenne „Axel Hacke“! Übrigens gibt es auch einen Zitronenthymian „Bertram Anderson“, wussten Sie das etwa nicht? Ist doch scheißegal, wer das war, ich muss ran an mein Manuskript! Aber sehen Sie, so ist es immer, ich fange mit irgendwas an und dann lande ich plötzlich beim Sheriff von Newcastle-upon-Tyne im 16. Jahrhundert. Ich verliere mich so gern. Dabei habe ich dieses Buch fertigzuschreiben, vierzehn Tage noch! Wenn Sie mir schreiben wollen: Meine Adresse lautet Auf den Prokrastinationsgärten 7. Oder Bei der Verschiebung 12. Oder Hinter den Abgabeterminen 113. ![]() Noch schnell die anderen Straßen. Zur schönen Gelegenheit in Regensburg Im Kinderland in Berlin-Zehlendorf Auf dem Mars in 46487 Wesel-Bislich Im Halben Mond in 66571 Eppelborn Auf der Lieben Frau in Einbeck (da gibt es auch noch den Kükenschnipp, den Sonnenhaken und Auf der Trumpe, ja, glaubst du es denn?) Zum Slip in Nordenham Hodenbergstraße in Celle (da sind wir schon wieder beim Körper, wie übrigens auch bei Aftersteg, das ist doch tatsächlich ein anerkannter Luftkurort und Ortsteil von Todtnau in Baden-Württemberg) Unnütze Straße in Stralsund. Tolles Thema eigentlich, diese Straßennamen. Leider ist es nicht das Thema meines nächsten Buches. Übrigens: Stralsund. Dort gibt es seit 1624 eine Karrenstraße, aber vorher hieß die Erschkarne, was auf Hochdeutsch Arschkerbe bedeutet, so nannte man früher manchmal enge, düstere Gassen. Aber als Adresse hat es natürlich keiner gerne. Eine Figur an der Straßenecke erinnert noch an den Namen. Auch hatten die Stralsunder eine Mörderstraße, das rührte von einem alten Adelsgeschlecht her. Aber wohnen wollte da irgendwann auch keiner mehr. Den Leuten fiel dann ein, dass sie um 1500 mal einen Bürgermeister namens Henning Mörder hatten, und seitdem heißt die Straße Henning-Mörder-Straße. Hätte man den Stralsundern gar nicht so zugetraut, so ein Potenzial. Obwohl, ich war da mal zu einer Lesung, eine sehr schöne Stadt, wirklich. Jetzt Schluss, Schluss, Schluss! Ende! Die Endestraße gibt es übrigens wirklich in Berlin, Hermann Gustav Louis Ende war ein bekannter Architekt, das Elefantenhaus im Zoologischen Garten ist von ihm. Wusste ich auch nicht. In Glückstadt haben sie eine Namenlose Straße, echt jetzt. Es fiel ihnen einfach nichts mehr ein damals, sie waren am Ende. So wie ich. ![]() Zu den fetten Hennen muss ich noch eine ziemlich kurze Straße in Hamburg loswerden, die Hühnerposten heißt, einer der herrlichsten Straßennamen, von denen ich je hörte. Auf Wikipedia lese ich: Benannt wurde der Weg bereits 1682, damals außerhalb der Stadt unmittelbar vor den Wällen gelegen. Für die Herkunft des Namens sind unterschiedliche Bedeutungen überliefert: Die eine besagt, dass sich an diesem Ort ein vorgeschobener Wachposten befand, der wegen seiner ländlichen Lage bei den Wachmannschaften unbeliebt war und dementsprechend als Hühnerposten geschmäht wurde. Nach einer anderen Darstellung stand hier im 17. Jahrhundert ein Wirtshaus, in dem „die Bewohnerinnen aus der Deichgegend und von den Elbinseln beim Tanz ihre bunten Röcke fliegen ließen“, diese „flatternden Aktivitäten“ führten dann zur entsprechenden Bezeichnung des Ortes. ![]() DAS GEMÜSEHÜHNCHEN ![]() Leser B. berichtet aus Darmstadt, dort würden Gemüsehühner aus Berlin verkauft, worunter offensichtlich Gemüse zu verstehen ist, das zu hundert Prozent aus Hühnchen besteht, ein Horror für Vegetarier und Veganer, aber so ist das halt in Berlin. Interessanter für die Zukunft ist Hühnerfleisch aus Gemüse, das man bei der Rügenwalder Mühle bekommt, auf deren Website ich lese: Tüte auf, Wasser und Öl dazu und nach 30 Minuten Warten kommt das Hähnchenfilet hervor. Was sich anhört wie ein Gimmick, ist jetzt Wirklichkeit geworden. Wem die veganen Mühlen Filets vielleicht zu klein sind, der kann sich aus einem Beutelinhalt von 75g getrost eine ganze Hähnchenbrust von 222g formen – oder auch ein halbes Hähnchen modellieren. Oder für die Kleinen kleine Gockel, Dinos oder Einhörner mit der Plätzchenform ausstanzen. Und das Beste: du kannst die veganen Mühlen Filets Mix & Fertig auch noch nach Belieben verfeinern oder panieren und frittieren. Guten Appetit! In Berlin und Darmstadt formen sie derweil Dönerhühner aus Karotten, Sellerie und Erbsen. WAS IST EINE BARKASSE? ![]() Leser B. aus Darmstadt (der mit dem Gemüsehühnchen) schickte mir auch dieses Foto, es zeigt, wie sehr sich Begriffe im Laufe des Lebens wandeln können. Wenn man zu mir als Kind das Wort Barkasse gesagt hätte, wäre es auf der zweiten und dritten Silbe betont worden: Barkasse. Was das Wort damals bedeutete, wird in einem schönen Text erläutert, den ich in einer Ausgabe von Kehrwieder, Zeitschrift für Schiffsbesatzung (Februar 1963) entdeckte, so was liegt in meinem Büro ja immer rum. ![]() Heute wissen zumindest Landratten nichts mehr davon, wahrscheinlich kennen sie nicht mal mehr das Wort Landratte. Heute ist die Barkasse (Betonung erste Silbe) der Ort, wo bar bezahlt wird. Wenn irgendwann das Bargeld abgeschafft sein wird, kann das Wort wieder ausschließlich zu seiner früheren Bedeutung zurückkehren. BarKASSE/BARkasse. Interessante Frage übrigens: Ist Barkasse das einzige Wort, das einen solchen Wandel durchmacht, oder gibt es noch andere? DIE LESUNGEN ![]() Bitte bedenken Sie, bevor Sie mir beschwerdehalber schreiben, dass ich ja NIE in Ihre Stadt komme oder Ihre Region GANZ UND GAR zu meiden scheine oder den Landstrich, in dem Sie leben, offenbar KOMPLETT ignorieren wolle: In der folgenden Liste stehen immer nur die Termine, für die der Vorverkauf schon begonnen hat. Das machen wir so, weil sonst die Theaterkassen leicht irre werden und ständig bei ihnen jemand nach Karten fragt, die es noch nicht gibt. Oder weil viele Leserinnen und Leser mir dann schreiben, ob da vielleicht ein Irrtum vorliege, denn es gebe gar keine Karten und das Theater wisse von nichts. Es gibt zum Beispiel in diesem Winter noch Lesungen in Erfurt oder Fürth, nur Geduld … Anderswo war ich vielleicht gerade oder komme im übernächsten Winter dahin, wer weiß das schon. Aber schreiben Sie mir ruhig, schreiben Sie nur, was immer Sie wollen. (Adressen siehe oben.) 2025 02.11. Stuttgart, Theaterhaus 03.11. Bochum, Kammerspiele 04.11. Oldenburg, Kulturetage 15.11. Gröbenzell, Stockwerk 16.11. Bielefeld, Stadttheater 21.11. Halle, Franckesche Stiftungen (in der Reihe Persönlichkeiten im Gespräch) 22.11. Leipzig, Kupfersaal 23.11. Dresden, Schauspielhaus 07.12. Berlin, Schlosspark Theater 08.12. Berlin, Schlosspark Theater 28.12. München, Volkstheater 29.12. Regensburg, Theater am Bismarckplatz 2026 03.01. München, Leo17 05.01. Köln, Gloria 06.01. Köln, Gloria 08.01. Darmstadt, Staatstheater 03.02. Mainz, Frankfurter Hof 04.02. Hamburg, Schauspielhaus 05.02. Hannover, Pavillon 26.02. Bayreuth, Zentrum Noch mehr und detaillierte Informationen auf meiner Internetseite. MEIN BUCH DES MONATS MAI ![]() Ich sage es gleich: Ich bin mit beiden Autoren befreundet. Keine anständige Zeitung würde mich unter diesen Bedingungen deren Buch loben lassen. Aber das hier ist ja mein Brief aus meinem Büro, also da kann ich machen, was ich will. Mache ich auch. Und ich lobe das Buch nicht, weil Stephan Lebert, der Reporter bei der ZEIT ist, mich darum gebeten hätte, und auch nicht, weil Louis Lewitan, bei dem es sich um einen Psychologen und Experten für Traumata und Stress handelt, es mir so ans Herz gelegt hätte. Nein, sie haben es mir nicht einmal freundlich signiert, das muss man sich mal vorstellen. Solche Freunde sind das. Aber das Buch ist hervorragend, spannend, klug, gut recherchiert, oft sehr überraschend und exzellent geschrieben. Am 8. Mai war es 80 Jahre her, dass der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, weil das Deutsche Reich kapitulierte. Um diese 80 Jahre geht es hier, 80 Jahre, in denen zwar viel öffentlich des Holocaust und der anderen deutschen Verbrechen während des Krieges gedacht wurde. In denen aber im Privaten weiter Geheimnisse gehütet wurden, Schweigen herrschte, Erinnerungen verdrängt wurden, gelogen wurde, ein Panzer, der nun allmählich aufzubrechen scheint, weil immer mehr Menschen ihre Familiengeschichte recherchieren, wie ich lese, auch um vererbten seelischen Wunden nachzugehen, der Kälte in den Beziehungen, den Schuldgefühlen. Den Menschen kann das nur guttun, weil Schweigen noch nie jemandem geholfen hat, die Wahrheit jedoch immer. Und weil das Buch nie belehrend ist und nicht im gestelzten, steifen Ton des Gedenkens gesprochen wird, sondern mit den Formen des Porträts, des Gesprächs, der Reportage arbeitet, ist es sehr gut zu lesen – auch weil man sehr neugierig sein darf, was zum Beispiel Leute wie Karl-Theodor zu Guttenberg, Kurt Kister, Judka Strittmatter, Ludwig Spaenle und Thomas Darchinger zu erzählen haben. Stephan Lebert, Louis Lewitan, Der blinde Fleck. Die vererbten Traumata des Krieges – und warum das Schweigen in den Familien jetzt aufbricht. Heyne, 24 Euro. WAS SONST NOCH ZU SAGEN WÄRE Für die Korrektur des Textes danke ich herzlich Ruth Keen. Und großen Dank, wie immer, an Michael Ruhe für das Aufsetzen und Vorbereiten aller für den Versand des Briefs aus dem Büro notwendigen Dinge. Ihn findet man unter www.ruhe-bitte.com |












