IM STUDIO![]() Jahr für Jahr verbringe ich jeweils drei Tage im Studio von Alex Klier in München, um ein neues Hörbuch „einzulesen“, wie man so sagt. Nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung, um ehrlich zu sein, denn so ein Studio ist klein und eng, man muss sich sehr konzentrieren und alle Sätze, in denen man sich versprochen oder die man vernuschelt hat, noch einmal wiederholen. Da ich das ungern tue, passe ich sehr auf. Dann und wann komme ich sogar in einen Lese-Flow, in dem es mir gelingt, ganze Kapitel komplett fehlerfrei zu lesen. Ein Wörter-Rausch, sehr schön. Diesmal haben wir es sogar in zweieinhalb Tagen geschafft, und weil Alex wie immer dabei war und auch Theresa Lindenstruth vom Dumont-Verlag und wir uns in den Pausen immer prima unterhalten, hat es großen Spaß gemacht. Das Hörbuch von Wie fühlst du dich? erscheint wie das Buch am 1. Oktober. |
ICH FÜHLE, ALSO BIN ICH![]() In meinem neuen Buch geht es um die Gefühle, die uns alle in diesen Zeiten bewegen, von Angst, Überforderung, Müdigkeit und Wut über Freude bis Dankbarkeit und Hoffnung. Ich befasse mich damit, wie wir sie für uns nutzen können und wie andere versuchen, sie zu benutzen. Die Kapitel haben Überschriften wie „Warum fühlen wir uns schlecht, wenn es uns gut geht“ oder „Die Populisten und unsere Gefühle“ oder „Wie man von einem besseren Leben erzählt“. Damit Sie sich das noch etwas besser vorstellen können: hier der Abschnitt „Ich fühle, also bin ich“, das zweite Kapitel des Buches, exklusiv vorab für die Leserinnen und Leser des Briefes aus dem Büro: Geht man der Frage nach, ob ich etwas dachte oder es fühlte, landet man bei Erkenntnissen über den Zusammenhang von Gedanken und Gefühlen, zum Beispiel bei dem Satz: »Gefühle und Verstand sind nicht die Gegner, zu denen wir sie in unserer abendländischen Kultur gemacht haben. Vielmehr arbeiten die Gefühle und der Verstand meist Hand in Hand.« So formuliert es der Wissenschaftsjournalist Bas Kast in seinem Buch Wie der Bauch dem Kopf beim Denken hilft. Gefühle, so Kast, leiten uns durchs Leben, sie unterstützen den Verstand bei Entscheidungen, sie helfen uns zu überleben. Angst mahnt zur Vorsicht, Ekel zur Hygiene, Hoffnung lässt uns morgens aufstehen. Der Gegensatz, auf den der Autor anspielt, geht auf René Descartes zurück. Der formulierte 1637 einen der berühmtesten Sätze in der Geschichte der Philosophie, zunächst auf Französisch: Je pense donc je suis, dann 1641 lateinisch: Cogito ergo sum, ich denke, also bin ich. Er begründete damit den Rationalismus, mit dem menschlichem Denken der Vorrang vor allen anderen Erkenntnisquellen gegeben wurde. Wissen, so Descartes, sei das Ergebnis von Vernunft, nicht (wie man bis dahin dachte) vom Grübeln über Gottes Willen, den umzusetzen der Daseinszweck des Menschen sei. Das war damals ein revolutionärer und befreiender Gedanke. Geist und Körper waren in Descartes’ Vorstellung getrennt: Das Denken fand unabhängig von den physischen Gegebenheiten des Denkenden statt. Und Gefühle oder Affekte (Leidenschaften nannte er sie in seinem 1649 erschienenen Werk Die Leidenschaften der Seele) hatten dort nichts zu suchen. Menschen entscheiden rational, so die These, die sich für Jahrhunderte in den Köpfen einnistete. Wenn heute vom kühlen Kopf die Rede ist, mit dem Entscheidungen getroffen werden müssten, oder wenn ein Mann ratlos zu seiner Frau sagt Du bist viel zu emotional, dann steckt diese Vorstellung dahinter: dass Rationalität unser Leben bestimmt und bestimmen muss. Gefühle und Vernunft sind in diesem bis heute in uns fortwirkenden Denken wie Feuer und Wasser. Unsere politischen und wirtschaftlichen Systeme beruhen auf dieser Grundannahme: Menschen sind in der Lage, rationale Entscheidungen zu treffen und ihre Emotionen im Griff zu haben. Es sei denn, der Dampftopf in ihrem Inneren kocht mal über, oder sie sind generell nicht ganz frisch im Oberstübchen. So ist es aber nicht. Descartes’ Idee trat Ende des vergangenen Jahrtausends der portugiesisch-amerikanische Neurowissenschaftler António Rosa Damásio entgegen. Ich fühle, also bin ich und Descartes’ Irrtum heißen wichtige, schon in ihren Titeln pointierte Bücher von ihm. Damásios Thesen beruhten auf Fällen, bei denen bestimmte Gehirnregionen von Patienten so geschädigt waren, dass sie in ihrer Entscheidungsfindung massiv behindert waren. Zusammen mit seiner Frau Hanna hatte er in den 1970er-Jahren das weltgrößte Archiv geschädigter Gehirne aufgebaut. Ein Beispiel: Damásio war fasziniert von einem Patienten, der Elliot genannt wurde, ein erfolgreicher und ehrgeiziger Jurist und liebevoller Familienvater. Doch wurde bei ihm, direkt hinter der Stirn und oberhalb der Nasenhöhle, ein mandarinengroßer Tumor entdeckt und operativ entfernt, mitsamt erheblicher Teile des Frontalhirns, des Stirnlappens. Elliot hatte dabei nichts von seinem Wissen eingebüßt. Und doch war er nun ein anderer Mensch. Er war nicht mehr in der Lage, Entscheidungen zu treffen, nicht mal einen Termin konnte man mit ihm noch vereinbaren. Er verlor sich bei der Arbeit in belanglosen Tätigkeiten, kam zu keinem Ziel und keinem Ende, ging erst seines Jobs verlustig, dann seiner Familie. Damásio fiel vor allem Elliots kühles, distanziertes Verhalten auf. Als er ihn mit Bildern von Katastrophen konfrontierte, bei denen Menschen starben, blieb er so regungslos wie seinem eigenen Schicksal gegenüber. Es schien ihn nichts zu berühren, nicht mal sein eigenes Leben. Er hatte keine Gefühle mehr. Und obwohl seine Ratio nach wie vor funktionierte, war er unfähig zu einem eigenständigen Leben, weil ihm einfach die Emotionen fehlten, die uns offenkundig durchs Leben leiten. Damásio verlegte – basierend auf diesen Untersuchungen – die Tätigkeit des menschlichen Geistes dorthin, wo sie tatsächlich stattfindet: in den menschlichen Körper. Und er zeigte, dass sie das Ergebnis äußerst komplexer Vorgänge ist, die nicht nur in einem Hirnareal stattfinden, sondern an vielen Stellen des Gehirns und im gesamten Körper. Auch wies er nach, so lese ich in Descartes’ Irrtum, »dass bestimmte Aspekte von Gefühl und Empfindung unentbehrlich für rationales Verhalten sind«. Und weiter: »Im Idealfall lenken uns Gefühle in die richtige Richtung, führen uns in einem Entscheidungsraum an den Ort, wo wir die Instrumente der Logik am besten nutzen können.« Das, was wir gewöhnt sind, Seele und Geist zu nennen, sind komplexe und singuläre Zustände unseres Organismus. Und noch ein Satz von Damásio, der für dieses Buch hier sehr wichtig ist. »Vielleicht ist das Wichtigste, was wir an jedem Tag unseres Lebens tun können, uns und andere an unsere Vielschichtigkeit, Anfälligkeit, Endlichkeit und Einzigartigkeit zu erinnern.« Wie fühlst du dich? Wenn unsere Empfindungen also kein Luxus sind, keine Dreingabe zu einem primär von Rationalität gesteuerten Dasein, sondern ein differenziertes, komplexes und unentbehrliches Hilfsmittel im Leben, dann ist vielleicht auch diese Frage eine, die wir uns täglich stellen und deren Beantwortung wir eine gewisse Aufmerksamkeit schenken sollten. Also nicht nur: Was denkst du? Sondern regelmäßig: Wie fühlst du dich? … Ohne Gefühle können wir nicht vernünftig handeln. Und die Vernunft sagt uns, dass wir unseren Gefühlen Raum zu geben haben, sie beachten sollten und sie nie vernachlässigen dürfen. Das hört sich vielleicht banal an. Für mich handelt es sich aber um eine Erkenntnis, die ich in meinem Leben erst mühsam gewinnen musste. Ich bin in einer Ära von Gefühlsblindheit aufgewachsen. Wollte ich als Kind von einem meiner Träume erzählen, fiel der Satz meines Großvaters: Träume sind Schäume. Was hieß: Vergiss es, das ist bedeutungslos. Klagte ich über Kopfschmerzen oder konnte nur einschlafen, wenn ich allein im Bett laut vor mich hinsang und dabei den Kopf unentwegt hin- und herbewegte (eine Gewohnheit, die heute sofort die Herbeiziehung eines Kinderpsychologen zur Folge hätte), so ging man mit mir zum Arzt. Als der sagte, das Kind sei recht intelligent und es bestehe kein Anlass zur Sorge, war die Angelegenheit erledigt. Man sah nur Symptome. War für diese keine physische Ursache zu finden, dann waren sie eben da, die Symptome, fertig. Wird nicht schlimm sein, man kann eh nichts machen.Jahrzehnte später, als ich nach einer Scheidung und der Trennung von meinen Kindern seelisch am Boden war und an manchen Tagen kaum mehr ein noch aus wusste, bedurfte es endlosen Leidens und monatelangen Redens meiner heutigen Frau, bis ich endlich (nach langem, durchaus aggressivem Widerstreben) meinen Fuß über die Schwelle einer Psychoanalytikerin setzte – ein Entschluss, ohne den ich all das kaum gesund überlebt hätte. Es waren nüchterne, auch kalte Zeiten, in denen ich nach dem Krieg aufwuchs. Kalter Krieg. Man redete nicht über Empfindungen. Die Zeitungen waren nüchtern, das Fernsehen auch. In den Sechzigerjahren hatten wir einen Bundespräsidenten namens Heinemann, der so spröde war, dass er weder Musik hörte noch Romane oder gar Gedichte las, nur Sachbücher, »ich mag nur Dinge mit Knochen und Substanz«. Über Patriotismus sagte er, er liebe keine Staaten, nur seine Frau. Nennen Sie mich naiv, aber es verblüfft mich, wie radikal sich im Laufe meines Lebens die Zeiten geändert haben. Mag sein, dass ich etwas überinterpretiere, aber ich finde es aufregend, dass wir nicht nur in Jahrzehnten leben, die wissenschaftlich, technisch und technologisch, politisch und gesellschaftlich revolutionär sind wie nur selten eine Zeit in der Menschheitsgeschichte. Sondern dass wir gleichzeitig über neue Erkenntnisse verfügen, die es uns ermöglichen und uns auffordern, die Sicht auf unsere Gefühle einer gründlichen Revision zu unterziehen. Dass wir sozusagen lernen können oder jedenfalls könnten, sehr viel aufmerksamer und besser mit uns selbst zu leben. Leben wir nicht in einer Gefühlsgesellschaft, wie es sie kaum je gegeben haben dürfte?Selbst Wahrheiten gelten heute manchen nicht mehr absolut, sondern nur gefühlt. |
TORKELSCHAU, TOLK-SCHAU, TALK-SHOW![]() Leserin S. war am Bodensee unterwegs und entdeckte in Meersburg, dass nach Weinproben offenbar die Gäste in einer sogenannten Torkelschau ihre Fähigkeiten zu mehr oder weniger aufrechtem Gang vorführen dürfen. Da wäre man natürlich sehr gerne mal zu Gast.Mein Freund S. war mit seiner Frau hingegen am entgegengesetzten Ende Deutschlands unterwegs, in der Nähe von Kappeln an der Schlei, wo er den Ursprüngen eines der populärsten Sendeformate des deutschen Fernsehens nachspürte, der Tolk-Schau, die dann später auch im englischsprachigen Teil der Welt als Talk-Show berühmt wurde. PS: An anderer Stelle wird behauptet, die Torkelschau finde im sogenannten Torkelhaus statt, benannt nach den alten Weinpressen, die nämlich im Alemannischen Torkel heißen. Was wiederum seinen Ursprung im Lateinischen hat, wo die torcula eine Wein- oder Obstpresse bezeichnet. Leute, die häufig in Südtirol sind, kennen das Törggelen, die Weinprobe, und das Verb torkeln kommt ebenfalls aus dem alten Rom, wo torculare keltern hieß. Torkeln hingegen ist eine Spätfolge dieser Tätigkeit. Tolk-Schau ist angeblich ein Familien-Freizeitpark nahe Schleswig mit Sommerrodelbahn, Kinder-Riesenrad und Mini-Golf. Aber das mag glauben, wer will. ![]() |
ALS ICH EIN HELD WAR![]() Manchmal schreiben mir Leserinnen oder auch Leser, sie würden sich dunkel an eine Kolumne von mir erinnern, nennen ein paar Stichworte und bitten mich dann, ihnen den Text zu schicken, sie würden ihn so gerne noch einmal lesen. Oft kann ich mich selbst gar nicht oder eben auch nur dunkel erinnern, muss eine Weile suchen – meistens mit Erfolg. So auch hier. Damit alle etwas davon haben, kommt nun eine Geschichte aus dem Jahr 2002, als meine Kolumne im Süddeutsche Zeitung Magazin noch Das Beste aus meinem Leben hieß, nicht Das Beste aus aller Welt wie heute. Die Stichworte, die mir meine Leserin vor dem Suchen nannte, waren Hund, Drachen und Luis, wenn ich mich recht entsinne. Das Schicksal formt Helden. Neulich formte es mich. Wir verbrachten ein Wochenende auf dem Land. Samstagmittags wurde es stürmisch. Paola war zu Besuch bei einer Schulfreundin, die in der Nähe Ferien machte. Ich blickte aus dem Fenster, sah blauen Himmel, Wolkenfetzen, im Sturm sich beugende Bäume. Mich überkam das Verlangen, einen Drachen steigen zu lassen. „Luis?“, fragte ich. „Lassen wir einen Drachen steigen?“ Er sagte: „Aber wir haben keinen.“ Ich ging zur Wirtin unserer Pension und fragte, ob sie einen Drachen besäße, den wir leihen könnten. „Schauen Sie auf den Dachboden“, sagte sie. „Vielleicht der alte Drachen meines Sohnes….“ Luis und ich fanden einen Kunststoffdrachen mit langem grünem Schwanz. Bloß eine Schnur fanden wir nicht. Wir schafften es aber bis Ladenschluss zum Supermarkt im Dorf. Doch Drachenschnur führte der nicht, auch keine Paketschnur oder so. Ich sah eine Rolle Baumwollfaden zum Stricken – oder was weiß ich, wozu. Dachte: Wird auch gehen. Luis und ich gingen zu einer Wiese. Ich knotete den Baumwollfaden am Drachen fest. „Luis, halt den Drachen in den Wind!“, rief ich. Aber Luis hatte nie einen Drachen in den Wind gehalten. Er hielt ihn mit der Spitze nach unten, quer oder hinter sich. Einmal hielt er ihn richtig, ließ aber nicht los – ich sah ihn schon in die Lüfte steigen, so rissen Wind und Drachen an Luis. „Loslassen!“, schrie ich. Aber Luis hörte mich nicht im heulenden Wind. Er verhedderte sich mit den Füßen im Drachenschwanz und fiel hin. Ich ging zu ihm, half ihm auf und zeigte ihm, wie man einen Drachen hält. Wir ließen ihn steigen. Aber kaum war er ein bisschen gestiegen, riss der Faden oben am Drachen ab. Er war zu dünn gewesen. Alle Drachenfachleute werden sich totlachen: Wie kann man mit ‘nem Baumwollfaden Drachen steigen lassen! Aber ich hatte halt gedacht, hatte halt gehofft…. Und es gab ja keine richtige Drachenschnur! Mensch! Der Drachen flog davon. Er blieb hundert Meter weiter in einer Eiche hängen. Sie stand in einem parkähnlichen Garten hinter einem Drahtzaun. Ihre Äste ragten über den Zaun, und am dicksten Ast hing der Drachen. Sein Schwanz hatte sich in den Zweigen verwickelt. Er hing ziemlich hoch. Ich erreichte ihn weder mit einem langen Ast stochernd noch mit kürzeren Ästen, die ich warf, um ihn aus seiner Verstrickung zu lösen. Am Stamm der Eiche sah ich eine Leiter lehnen. Und der Ast, an dem der Drachen hing, dachte ich: Der würde mein Gewicht aushalten. „Bleib hier!“, sagte ich zu Luis. „Ich hole den Drachen.“ Kaum war ich über den Zaun geklettert und hatte meinen Fuß auf eine Leitersprosse gesetzt, geschah das Schlimmst-Denkbare: Quer über den Rasen des Gartens trabte federnd und mit interessiertem Gesicht ein Rottweiler auf mich zu – auf mich!, der ich mich schon vor kleinen Hunden fürchte. Ich hastete die Leiter hoch und betrat den Ast, an dem mein Drachen hing. Der Hund blieb am Baum stehen und begann ein heiseres tiefes Bellen, währenddessen ihm der Sabber von den Lefzen triefte. Luis stand auf der Wiese. Er schrie nach mir. Ich schrie zurück, er solle keine Angst haben, ich käme jetzt, und der Hund könne nicht über den Zaun. Im Geiste sah ich Zeitungs-Schlagzeilen: „Vater vor den Augen seines kleinen Sohnes von Rottweiler zerfleischt!“ Ich verfluchte, was es zu verfluchen gab: Wochenendausflüge, Wind, Drachen, mich selbst vor allem. Was soll man über einen Vater sagen, der tut, was ich tat, wegen eines Drachens. Langsam ging ich auf dem Ast Richtung Zaun, mich dabei an einem höhergelegenen Ast festhaltend. Der Rottweiler stand unter mir. Im Fall eines Sturzes wäre ich direkt in seinen riesigen Rachen gefallen und wahrscheinlich gleich bis in den Magen gerutscht. Der Hund bellte wildeste Verwünschungen. Ich tastete weiter, Luis Beruhigungsworte zubrüllend, während der Ast ächzte, der Wind den Drachen schüttelte. Irgendwann hatte ich den Zaun überquert und war beim Drachen. Ich löste ihn mit dem Fuß. Aber der Wind wehte ihn zum Hund, der mit ihm tat, was er mit mir tun wollte. Er riss ihn in Fetzen. Ich sprang vom Ast über den Zaun. Blieb im Gras liegen. Mein linker Fuß schmerzte. Luis stürzte zu mir. Ich nahm ihn in den Arm. Hand in Hand gingen wir, ich leicht hinkend, zurück zur Pension. Luis schaute zu mir auf. Ich glaube, er bewunderte mich. Ich war ein Held für ihn. Ich genoss es, ein Held zu sein für meinen Sohn. Ich wäre gern öfter ein Held. Wenn es nicht so gefährlich wäre. Aus Süddeutsche Zeitung Magazin Nr. 14/2002 ACHTUNG TRICKBETRUG! ![]() Aus gegebenem Anlass ein Hinweis: Niemals werden Leserinnen oder Leser von mir in den sozialen Medien oder auf WhatsApp Freundschaftsanfragen bekommen. Wann immer das dennoch geschieht, kann man davon ausgehen, dass es sich um Trickbetrüger handelt. Genauso ist es mit Profilen auf Instagram oder Facebook, bei denen mein Name nicht genauso geschrieben ist, wie er hier steht: Axel Hacke. Mehr oder weniger Tag für Tag erscheinen dort nämlich gefälschte Profile, die dann axel_hackeke, axelhacke1 oder sogar frecherweise axel_hacked oder so heißen, mein Bild und ein paar Inhalte geklaut haben und es auf die Leserinnen und Leser absehen. Mein Kollege Christian Stöcker, der auf Spiegel online eine stets sehr interessante Kolumne schreibt, sich wesentlich besser mit solchen Dinge auskennt als ich und selbst ebenso betroffen ist, hat das Phänomen im Juli ausführlich beschrieben, analysiert und festgestellt, dass es sich hier um Anlagebetrüger handelt, die das Geld der Leute wollen. Anscheinend wird dann auch noch behauptet, dass ich Finanztipps gebe – wobei: Wer von mir Finanztipps entgegennimmt, der ist fast schon selbst schuld, ehrlich. Betrüblich ist, dass der Konzern Meta, der Instagram und Facebook und auch WhatsApp betreibt, keinerlei Hilfe ist. Er könnte solche Fake-Profile leicht identifizieren und löschen, tut es aber nicht, und so müssen wir jedem einzelnen Fall hinterherrennen, was viel Kraft und Zeit kostet. Wer Stöckers Text lesen möchte, kann das hier tun. EIN PAAR KEKSE Man muss öfter aufräumen, dann findet man herrliche Texte wie diesen hier, Gratulation und Dank an Einsenderin, Verfasserin und Übersetzer, wer auch immer das war und ist. ![]() |
DIE LESUNGEN![]() Zwei Monate noch ohne Lesungen, dann geht es so weiter: 2025 01.11. Erfurt, Theater02.11. Stuttgart, Theaterhaus 03.11. Bochum, Schauspielhaus 04.11. Oldenburg, Kulturetage 15.11. Gröbenzell, Stockwerk 16.11. Bielefeld, Stadttheater 21.11. Halle, Franckesche Stiftungen (in der Reihe Persönlichkeiten im Gespräch) 22.11. Leipzig, Kupfersaal 23.11. Dresden, Schauspielhaus 07.12. Berlin, Schlosspark Theater 08.12. Berlin, Schlosspark Theater 28.12. München, Volkstheater 29.12. Regensburg, Theater am Bismarckplatz 2026 02.01. Augsburg, Parktheater 03.01. München, Leo17 05.01. Köln, Gloria 06.01. Köln, Gloria07.01. Düsseldorf, Schauspielhaus 08.01. Darmstadt, Staatstheater 16.01. Fürth, Stadttheater 03.02. Mainz, Frankfurter Hof 04.02. Hamburg, Schauspielhaus 05.02. Hannover, Pavillon 23.02. Heilbronn, Theater 26.02. Bayreuth, Zentrum Noch mehr und detaillierte Informationen auf meiner Internetseite. |
MEIN BUCH DES MONATS AUGUST![]() Ludwig Fels, geboren 1946 in Treuchtlingen, gestorben 2021 in Wien. In Kindheit und Jugend geprägt von Armut und gesellschaftlicher Ausgrenzung als uneheliches Kind, Fürsorge, schwer erziehbar (wie das eben so hieß), gezwungen zu einer vor der Gesellenprüfung abgebrochenen Malerlehre, immer wieder in Jobs arbeitend, um die Familie unterstützen zu können. Schreibend auf dem Weg zur Arbeit und zurück und am Wochenende. 1973 der erste Gedichtband, Anläufe. 1981 erschien der Roman Ein Unding der Liebe, von dem es immer heißt, er sei sein größter Erfolg gewesen. 1983 Umzug nach Wien, es folgten viele Romane und Lyrikbände. Hans-Fallada-Preis, Kranichsteiner Literaturpreis, Wolfgang-Koeppen-Preis und viele andere. Ich bin der L.F.wohne in einem dieser Häuserfahre eines dieser Autoszahle Miete unddie Strafzettel an der Windschutzscheibebin ledig und Arbeiter undin der Mittezwischen arm und am ärmsten. Ich hatte zu seinen Lebzeiten keine Ahnung von ihm, hielt ihn für einen Wiener oder jedenfalls einen Österreicher, obwohl er (dort lebend) ein Franke blieb. Seine Witwe erinnert auf Instagram in verschiedenster Weise immer wieder an ihn, schöne Dinge sind dabei, etwas gefiel mir, ich gab dem Ausdruck, sie schrieb mir, er sei ein Fan von mir gewesen. Ja, und ich bin der ah, ich springe auf so was an, es stärkt mein zerbrechliches Ich, mit dem unter dem Arm ich sofort in den Buchladen aufbrach und diese beiden posthum erschienenen Werke von ihm kaufte. Und las. Gedichte erstens, die er im Laufe seines Lebens schrieb, eine Auswahl also, und diesen Monolog im Biergarten zweitens, voller Schmerz und Wahrheit und Witz und Ehrlichkeit und Zärtlichkeit (ja, bitteschön, auch dieses Wort) und Stolz und solchen Sätzen: Schauen Sie der Wahrheit ins Gesicht oder lieber ins Bullauge Ihrer Waschmaschine? Fels‘ Gedichte sind zeitlos, man wird sie auch in fünfzig Jahren noch lesen. Es sind Zeilen darin, die ich nicht mehr vergessen habe. Wenn einer wie ich gewinnthat vielleicht der Richtige verloren.Und dieses Gedicht, Aussichtslos heißt es.Wenn du die Tür verriegelstspring ich aus dem Fenster.Wenn du die Fenster verrammelstrenn ich mit dem Kopf gegen die Wand.Wenn du den Gashahn plombierstbeiß ich ins Stromkabel.Wenn du die Tabletten verstecksthäng ich mich auf. Mit mirhast du keine Chance. Ich finde den großartig. Ich mag das alles. Und wie froh bin ich, dass ich ihn entdeckt habe! Und nun weiter entdecken werde. Ludwig Fels, Mit mir hast du keine Chance. Gedichte. Jung und Jung, 22 Euro.Ders., Ein Sonntag mit mir und Bier. Selbstporträt im Gastgarten. Jung und Jung, 20 Euro. |
THE END![]() Herzlichen Dank an Leserin M. für das Foto. |
| WAS SONST NOCH ZU SAGEN WÄREFür die Korrektur des Textes danke ich herzlich Ruth Keen. Und großen Dank, wie immer, an Michael Ruhe für das Aufsetzen und Vorbereiten aller für den Versand des Briefs aus dem Büro notwendigen Dinge. Ihn findet man unter www.ruhe-bitte.com |









