Ich habe mir dieses Buch in dem Gefühl gekauft, mehr wissen zu sollen über all das, worüber wir jeden Tag diskutieren: die Energiewende, den Atomstrom, Speichertechniken, Wärmepumpen, E-Autos und die Systeme, in denen all das funktioniert. Ich weiß: Auch wenn ich ein solches Buch gelesen habe, komme ich über solides Halbwissen nicht hinaus, dazu ist die Materie zu kompliziert.

Aber wenigstens dahin möchte ich doch kommen. Das ist der Anspruch, den man an sich als Staatsbürger haben sollte.

Claudia Kemfert ist eine bedeutende Wissenschaftlerin auf dem Gebiet der Energie- und Klimaökonomie, sie ist Professorin auf diesem Sektor und leitet die Abteilung für Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Und sie kann schreiben, wenngleich die Sache nicht so einfach ist, dass ich jeden Satz verstanden hätte. Aber für mich ist das auch eine Form von Lernen: zu verstehen, dass man sich noch mehr damit beschäftigen muss.

Mit diesem Buch hier kommt man aber schon recht weit. Denn Kemfert ist in ihren Positionen sehr deutlich.

Sie kann gut erklären, warum eine Renaissance der Atomkraft ausbleiben wird und das auch sollte. Sie beschreibt, wie interessierte Kreise mit allerfeinster Lobbyarbeit und in zynischer Weise („Heizhammer“) gegen unsere energiepolitischen Interessen arbeiten. Sie skizziert, dass viele der Techniken, die wir für eine Energiewende brauchen, längst bereitstehen und dass dieser Wende-Prozess ohnehin unumkehrbar ist. Sie mahnt eine energischere Energiepolitik an, die uns immer noch vor den gröbsten Gefahren bewahren und uns auch aus unseren Pessimismus-Fallen („Es ist doch längst zu spät“) befreien kann.

Hat mir sehr geholfen, dieses Buch.
 
Claudia Kemfert, Kurzschluss. Wie wir unsere Energiezukunft verspielen. Campus-Verlag, 26 Euro.