In den Münchner Kammerspielen läuft seit fast einem Jahr eine hochgelobte Inszenierung nach Klaus Manns berühmtem Roman Mephisto, gerade erst wurde sie zum Berliner Theatertreffen 2026 eingeladen, eine große Auszeichnung. Als Thomas Schmauser, der den Hendrik Höfgen spielt, im vergangenen Jahr von Theater heute zum Schauspieler des Jahresgekürt wurde, habe ich mir Karten besorgt und bin ins Theater gegangen.

Was ich sah, beschäftigt mich bis heute. Es geht in Manns Buch und auch in den Kammerspielen ja um die Unfreiheit der Kunst in einer Diktatur, um die Legitimierung dieser Diktatur durch die Kunst und um die Frage, ob man sich als Künstler überhaupt anpassen darf und, falls ja, wie weit man in dieser Anpassung gehen kann, dies alles verkörpert in der Figur des Schauspielers und Intendanten Hendrik Höfgen alias Gustaf Gründgens.

Schmauser spielt den Mann anders, als ich ihn aus dem Buch in Erinnerung hatte, auch anders als Klaus Maria Brandauer in István Szabós oscarprämiertem Mephisto, weniger glatt, sondern zerrissener, kaputter.
Übrigens sind an der Inszenierung der Regisseurin Jette Steckel nicht nur diese selbst und eben Schmauser zu loben, sondern auch die vielen anderen Schauspielerinnen und Schauspieler, Erwin Aljukić zum Beispiel, Johanna Eiworth, Edmund Telgenkämper. Großes Schauspielertheater!


Weil mich das so beschäftigt hat, habe ich ein paar Tage nach dem Theater noch diesen großartigen Film wieder einmal angesehen und mir in Köln in Klaus Bittners wunderbarer Buchhandlung Manns Buch besorgt, weil ich es gleich haben wollte und nicht erst bei meiner Rückkehr. Daheim steht es ja im Regal, wenngleich ich jetzt nicht sagen könnte, wo.

Und das lese ich jetzt, erstens weil man es im Leben immer wieder mal lesen sollte, es ist ein Stück deutscher Literaturgeschichte. Zweitens, weil es einfach ein sehr guter Roman ist, eine große Abhandlung über das Böse, mit dem wir es auch heute wieder zu tun haben, und über die Faszination dieses Bösen für Mitläufer und Opportunisten, die sich immer finden und auch heute wieder finden würden/werden.


Klaus Mann, Mephisto. Roman einer Karriere. rororo, 16 Euro.