| Es ist eine Weile her, dass mir jemand die Lektüre von Kent Harufs Büchern empfahl, die ich dann stantepede eines nach dem anderen las. Er hat ja leider nur sechs verfassen können, weil er spät mit dem Schreiben begann und zu früh starb. Alle seine Romane spielen in einer erfundenen Kleinstadt namens Holt in Colorado und sie zeigen uns ein besseres Amerika, eines des alltäglichen Unglücks und der Güte, des Zusammenhalts und der Geduld, mit dem es zu ertragen ist. Jener freundliche Bekannte, der mir damals Haruf nahelegte und dessen Urteil ich seitdem erst einmal blind vertraue, schrieb mir nun, ich solle es doch einmal mit Elizabeth Strout versuchen, und er schickte gleich das Cover von Mit Blick aufs Meer dazu. Es sei die gleiche Art von Literatur, oft als leichtgewichtig und brigittehaft einsortiert, zu Unrecht. Ich ging sofort in die Buchhandlung, gesagt, gekauft, gelesen. Und ich habe den Haruf-Effekt, will sofort alles lesen von dieser Autorin, die für das Buch den Pulitzer-Preis bekam und nur Tage älter ist als ich, sowas verbindet ja auch. Auch Strouts Buch spielt in einer Kleinstadt, sie heißt Crosby und liegt an der Küste von Maine. Im Amerikanischen heißt der Roman Olive Kitteridge, nach der Hauptfigur, einer pensionierten stadtbekannten Mathematiklehrerin, die bisweilen Haupt-, dann eher Nebenfigur in diesen Geschichten ist, sie alle miteinander verbindet und dabei eine sehr vielschichtige Person ist, mal gutmütig, mal unangenehm selbstsicher, sehr klar in ihren Ansagen und für ihren Sohn auch ein schweres Schicksal in ihrer Gluckenhaftigkeit, aber bitte, mehr will ich gar nicht sagen. Lesen Sie selbst, bitte, lesen Sie! Elizabeth Strout, Mit Blick aufs Meer. Aus dem Amerikanischen von Sabine Roth. btb Geschenkausgabe. 13 EUR |