| Evan Osnos ist ein hervorragender amerikanischer Journalist, unter anderem seit zwanzig Jahren staff writer beim New Yorker. Für den hat er die Geschichten in diesem Buch auch geschrieben. Alle Texte beschäftigen sich mit der fundamentalen Veränderung der amerikanischen Gesellschaft, die darin besteht, dass eine Kaste von Superreichen entstanden ist, die im Grunde kaum noch eine Verbindung zur normalen Welt hat, eigentlich auch kein Interesse mehr an ihr. Osnos schreibt über Menschen, die sich in den Bunkern, in denen früher Interkontinentalraketen steckten, riesige Wohnungen bauen, um hier den Weltuntergang (mit dem sie fest rechnen) überleben zu können. Er porträtiert Mark Zuckerberg, der zu den zehn reichsten Menschen der Welt gehört. Deren Vermögen vermehrte sich 2025 um umgerechnet rund 450 Milliarden Euro, eine Summe, die fast zweieinhalbmal so groß ist wie der EU-Haushalt. (Wohlgemerkt: Wir reden nicht vom gesamten Vermögen, nur von dessen Zuwachs in einem Jahr.) Er schreibt über die Welt gigantischer Yachten, in denen sich manchmal Hubschrauber-Hangars und mehrere Segelboote verbergen – nie hat der Bau dieser Schiffe mehr geboomt als jetzt. Das alles sind keine Kuriositäten. Es geht um ein System, das instabil wird, ja, es längst ist. Der Unterschied des Durchschnittseinkommens des einen obersten Prozent der Amerikaner zu dem des ganzen Rests, so Osnos, sei ungefähr so groß wie zwischen dem durchschnittlichen Einkommen in den USA und dem im Kongo, einfach riesig. Entstanden ist eine Gesellschaft, die so kopflastig ist, dass sie jederzeit kippen kann und das wohl auch tun wird. Denn – das lehren Geschichte und Soziologie – in Gesellschaften, die derart gespalten sind, entwickelt sich Gewalt in ungeheurem Ausmaß (wie man längst sieht). Und sie werden, wenn Eliten sich abschotten (wie sie es längst tun) und unempfindlich werden gegen die Not der Massen (wie sie es längst sind), komplett instabil. Osnos hat brillant recherchiert und ebenso geschrieben. Nun müssen es viele lesen. Evan Osnos, Yacht oder Nicht Yacht. Nachrichten aus der Welt der Ultrareichen. Aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn. C.H. Beck, 20 Euro. |